50. Vier-Abende-Marsch

Ein großes Ereignis wirft seine Schatten voraus. Vom 12. Juni bis zum 15. Juni findet zum fünfzigsten Mal der Vier-Abende-Marsch in Blomberg statt. Ein ungewöhnliches Jubiläum, wozu uns Frank Jungblut, Vorsitzender des Organisationskomittes und stellvertretender Vorsitzender des TV Blomberg, einiges erzählen konnte.

Frank, was erwartet uns zur Jubiläumsveranstaltung?

Der Ablauf der ersten drei Tage wird den gewohnten Gang nehmen. Aber es sei schon verraten, dass wir am letzten Abend noch eine Verlosung planen, bei der es interessante Preise zu gewinnen gibt. Ebenso wollen wir am Freitag dann das eine oder andere aus der „Hutschachtel“ zaubern.

Kannst Du schon etwas verraten?

Ja, das tue ich gerne. Zum einen wird am Freitag der Umzug zum Abschluss nicht wie gewohnt auf dem Schulhof der Grundschule Am Weinberg enden. Die Stadt ist damit einverstanden, dass wir für diesen Abend den Pideritplatz nutzen. Da wartet dann die eine oder andere Überraschung. Ein bisschen verraten will ich: So wird eine Hüpfburg und eine Kletterburg für viel Spaß zur Verfügung stehen, auch eine Bühne wird genutzt werden. Bis zum 15. Juni ist es zwar noch ein bisschen hin, aber es wird noch einiges passieren.

Ursprünglich wurde der Vier-Abende-Marsch ja von den Holländern der Blomberger Garnison initialisiert. Wir sind deshalb auch dabei, die ehemaligen Veranstalter ausfindig zu machen. Es ist zwar schon viele Jahre her, aber einige Namen konnten wir schon auffinden. Wir versuchen, diese Ehemaligen für den 15. Juni nach Blomberg einzuladen. Sie können sich dann ein Bild davon machen, was aus ihrer Veranstaltung geworden ist.

Dann sind wir ja schon bei den Anfängen. Vieles über die Entstehung und Entwicklung kann man auch auf unserer Homepage nachlesen.

Der erste Blomberger Vier-Abende-Marsch hat einen militärischen Ursprung und fand 1968 statt. Er wurde durch die holländische Garnison organisiert. Damals wurden 5-/10- und 15km-Strecken angeboten, die auch angenommen wurden. So lange der Garnisons-Standort Blomberg Bestand hatte, haben die Soldaten diese Veranstaltung organisiert.

Diese holländische Tradition gab es nicht nur in Blomberg 

Nein, Vier-Abende-Märsche gab es an vielen Orten in Deutschland, in denen es eine holländische Garnison gab. Dies ist eine holländische Tradition. Da werden auch mal längere Strecken jeden Abend gewandert und marschiert.

Was bewegte den TV Blomberg, diese Tradition nach dem Weggang der Holländer fortzusetzen?

Es war vor allem eine Person, die sich dafür einsetzte: Reinhard Klöpping. Er hat alles dankenswerter Weise in die Hände genommen, einen sanften Übergang geschaffen und mit viel Leben erfüllt. Schon im letzten Jahr der Organisation durch die Niederländer haben wir TVBler ihnen schon einmal über die Schultern geguckt und uns anlernen lassen. Im folgenden Jahr klappte dann alles.

Hatte der Übergang Auswirkungen auf die Zahl und die Zusammensetzung der Teilnehmer?

Von der Anzahl her hat sich kaum etwas verändert, einen Einbruch gab es nicht. Natürlich waren keine militärischen Gruppen mehr dabei, aber wir konnten alles auffangen. In den letzten Jahren waren es immer zwischen 1100 und 1200 Teilnehmer, die offiziell dabei waren. Mich freut es immer besonders, den 1000. Mitwanderer begrüßen zu können. Es gibt auch Gruppen, die immer wieder kommen, wie z.B. aus EbenEzer. Auch die Grundschulen begeistern sich für die Teilnahme, dazu sind inzwischen auch die Kindergärten gekommen, die die 5km mitwandern. Auch die weiterführenden Schulen sind oft bis zum 7./8. Schuljahr motiviert.

Reinhard Klöpping war der damalige Blomberger Initiator

Er stellte gleich zu Beginn der Übernahme fest, dass er diese Aufgabe genau 10 Jahre machen werde. Nach diesen 10 Jahren hat er den Staffelstab dann an mich übergeben, als ich von ihm die Leitung der Turnabteilung übernahm. Im Nebensatz ließ er mich wissen: „Ach Frank, den Vier-Abende-Marsch musst du auch noch organisieren“. Zu seiner Verabschiedung habe ich ihn dann mit „Mister Vier-Abende-Marsch“ betitelt, dies hatte er sich zurecht verdient. Er hat in den 10 Jahren viel Arbeit in die Organisation der Veranstaltung gesteckt und anfangs auch an einigen Stellen probieren müssen. Er hinterließ mir ein gut organisiertes Komitee, was sofort funktionierte und er hat sich jetzt auch angeboten, unsere große Jubiläumsfeier zu unterstützen. Wir werden ihn  gerne einbinden.

Du hattest bei der Organisation aber schon vorher mitgemacht.

In Blomberg wächst man nicht auf ohne zu wissen, was der Vier-Abende-Marsch ist. Ich wusste, was mich erwartete. Ich übernahm von Reinhard ein eingespieltes Team, da gab es praktisch nie Stresssituationen, alles war topp eingespielt. Natürlich gab es normale Störungen, die auftreten, wenn der Wind mal etwas stärker weht oder Blitz und Donner drohen.

Du sprachst von einem eingespielten Team

Das Team bestand damals zum einen aus den Verantwortlichen für die Versorgung. Dies übernahm lange die Dienstagsriege mit sehr viel Einsatz. Die Arbeit  fing ja schon am Montag mit dem Einkaufen und den Besorgungen an, mit der Bestellung von Würstchen, Pommes…..

Ja, die Pommes

Das war ein ganz heikles Thema, sehr sensibel und hoch gehandelt. Zwischenzeitlich hatten wir den Verkauf für sechs Jahre abgeschafft, jetzt können sich die Wanderer aber wieder mit Pommes bedienen. Nach der Dienstagriege hat dann Marleen Flörkemeier für sechs Jahre diese Aufgabe organisatorisch übernommen, dann hat sich leider kein Nachfolger mehr gefunden, das Verpflegungsteam gibt es nicht mehr. Deshalb haben wir diese Aufgabe jetzt „ausgesourct“ und werden nun unterstützt von der Fa. Infinity. Benny Krentz brauchte der Vier-Abende-Marsch nicht erklärt zu werden.

Die zweite große Gruppe sind die Wanderer. Diese Gruppe hat die Ausschilderungen übernommen, die extrem wichtig sind, zumal manchmal sogenannte Scherzbolde sich erlauben, das eine oder andere Schild umzuhängen. Deshalb kann man die Beschilderung erst kurz vor dem jeweiligen Startbeginn machen. Die Wandergruppe kontrolliert auch den Ablauf auf den Wanderstrecken. Die Wanderer bekom

men Lochkarten mit, die dann unterwegs kontrolliert werden. Diese Karten stempeln wir im Ziel wieder ab.

Im Zielbereich gibt es dann das Startbüro, das von unseren Damen konstant besetzt ist. Nicht zu vergessen sind die beiden „Knipser“, die im Ziel die Lochkarten wieder in Empfang nehmen. Das ist wichtig, denn wir müssen wissen, ob alle Gruppen und auch alle Einzelläufer wieder da sind, keiner darf verloren gehen. Bis jetzt hat dies - toi toi toi - immer geklappt. Es ist allerdings jedes Jahr so, dass ich hinter 2/3 Teilnehmern hertelefonieren muss, die vergessen haben, die Karte abzugeben. Aber es hat sich bis jetzt alles immer geklärt.

Auch im Vorfeld gibt es sicherlich immer schon viel Arbeit

Ja, dafür ist das Organisationskomitee zuständig, in dem Rita Korte, Gitta Brinkmann, Heinrich Kelle und ich sitzen. Wir bereiten alles vor. Rita ist hauptsächlich für den Schriftverkehr verantwortlich. Immer mehr Formulare sind auszufüllen und rechtzeitig abzugeben. Alle Teilnehmergruppen werden rechtzeitig angeschrieben, damit sie den Termin notieren können. Auch die gesamten Genehmigungen müssen eingereicht werden. Gitta sorgt für die Finanzen und achtet darauf, dass wir möglichst mit der schwarzen Null aus der Veranstaltung herauskommen. Beispielsweise haben wir vor drei Jahren noch jedes Mal Teller mit einem Blomberger Motiv ausgegeben. Aus Kostengründen haben wir dies fallen lassen müssen. Dafür gibt es jetzt Urkunden, die man ja auch für alle kopieren kann, jeder kann eine Kopie mitnehmen. Heinrich ist für alles, was da draußen passiert, zuständig. Er kommt von den Wanderern und hat die Aufgabe von Rolf Grünewald übernommen.

Wichtig zu erwähnen sind natürlich auch die Sponsoren: Die Sparkasse Blomberg/Lippe, die Volksbank Ostlippe, das Eiscafe Uno&Due, Feel Good, Steuerberater Juhre &Klaas und Blomberg Marketing – ohne die das alles nicht zu bewältigen wäre. Ein besonderer Dank geht an „Staatlich Bad Meinberger“, die uns bei den Versorgungsständen mit der Trink- und Wasserversorgung unterstützt. Das ist schon ein Riesenbatzen, der uns von der Schulter genommen wird. Die Versorgung der Getränkestände wird durch das Rote Kreuz unterstützt. Die Johanniter Unfallhilfe übernimmt eventuelle medizinische Hilfe vor Ort. Ohne diese Hilfen könnte der Vier-Abende-Marsch nicht stattfinden.

Der Marsch endet mit einem großen Umzug

Wir treffen uns oben auf der Wiese hinter dem Gymnasium und warten dort bis alle zusammen sind. Dann nehmen die Teilnehmer auf dem Ostring mit drei Kapellen Aufstellung, die die über 1100 Wanderer begleiten. Die Polizei sperrt für uns die B1 und wir marschieren dann einmal quer durch die Stadt. Seit Beginn gibt es eine schöne Tradition: Am letzten Abend erhalten die Wanderer vor dem Umzug von ihren Angehörigen einzelne Blumen oder Blumensträußchen als Anerkennung für die Leistung in den letzten 4 Tagen. Dann geht es zum Marktplatz vorbei am Nebengebäude des Rathauses. Auf der vorgebauten Treppe warten neben dem Vorsitzenden des Organisationskomitees auch der erste Mann der Stadt – der Bürgermeister. In den letzten Jahren sind auch die Nelkenkönigin und der Vorsitzende von Blomberg Marketing anwesend. Sie nehmen den Jubel der vorbei

ziehenden Marschteilnehmer entgegen und freuen sich über das winkende Blumenmeer. Ob wir in diesem Jahr wieder auf der traditionellen Treppe stehen, weiß ich noch nicht. Es könnte auch sein, dass der Vorbeimarsch auf dem Pideritplatz stattfindet.

Neu in diesem Jahr wird es am Freitag – bevor die Wanderer zurück sind – zum 50. Jubiläum einen Empfang im Sitzungssaal des Rathauses geben, wo vor allem den Sponsoren und Unterstützern gedankt werden soll. Im letzten Jahr waren wir als Gast bei einem solchen Empfang anlässlich des 50. Marsches in Zeven eingeladen und wollen diese Idee nun auch in Blomberg umsetzen.

Wieviel Jahre machst du das jetzt.

Das muss ich nachrechnen – 14 Jahre

Da gab es doch sicherlich das eine oder andere Erlebnis

Meistens waren es positive Erlebnisse. Natürlich lief nicht immer alles so, wie man es sich vorgestellt hatte. In einem Jahr lag zum Beispiel eine Sturm- und Gewitterwarnung vor, da sind wir nicht losgewandert. Wir haben den Abend spontan ausfallen lassen, aber die Sicherheit geht immer vor.

Sind in diesem Jahr Folgewirkungen vom letzten Sturm zu befürchten?

Ich bin ständig in den Wäldern unterwegs. So wie es aussieht, sind alle Wege zumindest frei. Bis allerdings alles Holz beseitigt ist, wird es noch ein bisschen dauern.

Und schöne Erlebnisse?

Es ist immer wieder ein schöner Augenblick, wenn man von der Treppe in die leuchtenden Augen der Teilnehmer schaut, wenn sie da vorbeilaufen mit den Blumen in der Hand, wenn man die Gruppen mit ihren Käppis und T-Shirts sieht.

Du gibst dein Amt als 2.Vorsitzender im TVB auf. Gibt es eine Perspektive?

Auf jeden Fall geht es nächstes Jahr weiter, da sind wir uns alle einig. Es muss ja nichts neu erfunden werden, vieles hat mit Routine zu tun und läuft nach einem gewissen Standard ab, vieles ist einfach schon bekannt. Inwischen muss man ja auch beim Kreis Lippe nicht mehr erklären, was ein Vier-Abende-Marsch ist. Es geht auf jeden Fall weiter. Wenn uns jemand unterstützen will – gerne,  viele Schultern können mehr tragen.