Mittwoch, 18. März 2009 um 20:34

  

                             Der allerletzte Marathon

Im Sommer letzten Jahres sprach ich mit meinen Laufkollegen aus Borgholzhausen. „Du, wir wollen im Januar zum Marathon nach Houston“. Eigentlich sollte der München Marathon 2007 mein letzter gewesen sein. Aber der Reiz, in den USA einen Lauf mit Freunden zu machen, war zu groß. Also meldete ich mich an, buchte den Flug und das Hotelzimmer.

Die Strecke ist interessant: In der dritten Strasse überlege ich: “Nachts möchte ich hier nicht durch laufen“. Aber die 26,2 Meilen sind lang, und es gibt viel zu sehen. Überall höre ich die Anfeuerungsrufe: „Good Job, Frank“.  Wie unterschiedlich die USA ist, zeigt sich auf den letzten Meilen. Dort sind riesige verchromte Bögen an jeder Ampelkreuzung über die Straße gespannt. Auch die Ampelmasten sind aus verchromten Rohren. Aber hier fangen die Beine an schwer zu werden. Jetzt fehlen mir die vier Wochen Vorbereitung, die ich aus gesundheitlichen Gründen aussetzten musste. Der „Mann mit dem Hammer“ hat mich eingeholt und will mich zur Aufgabe verführen. Aber da ich die anderen sechzehn Marathons nicht aufgegeben habe, werde ich den „allerletzten“ Marathon auch nicht aufgeben. Die Strecke ist zwar so gewählt, dass man die schönere Seite von Houston zum Schluss durchläuft. Leider ist es dort auch hügelig; jetzt tut jeder kleine Hügel weh.

Im Ziel zeigt sich wieder die perfekte Organisation. Es ist an fast alles gedacht. Eine perfekte Verpflegung nicht nur an der Laufstrecke sondern auch im Ziel. Das habe ich so noch nicht gesehen. Das einzige, was ich vermisst habe, sind die Duschen und Umkleidemöglichkeiten.

Wie üblich werden nach so einem langen Lauf und einer längeren Ruhezeit die Kohlenhydrate aufgefüllt. Das gelingt uns im Lande der Coca Cola und Burger sehr leicht. Abends gehen wir auf Anraten von Rainer in ein Buffetrestaurant – all you can eat und all you can drink (alkoholfrei).

Die restlichen 4 Tage nutzten wir noch, um Housten und Texas etwas kennen zu lernen. Interessant war auch die Berichterstattung rund um die Vereidigung von Barack Obama. Bei den Nachrichtensendern drehte sich alles um dieses Ereignis. Es wurde klar, welche Erwartungshaltung die Amerikaner in ihren neuen Präsidenten haben.


Bei Temperaturen bis 25 Grad und strahlendem Sonnenschein zeigt sich der wilde Westen von seiner schönsten Seite. Meine Vorahnung, dass hier alles größer ist, bekomme ich bestätigt. Das gilt für die Autos genauso wie für die Portionen auf dem Teller und die Größe der Kaffeebecher. Überrascht war ich von der Freundlichkeit. „Can I help you?“ habe ich immer dann gehört, wenn ich Hilfe benötigte. Freundlich wurde mir geholfen. Das ist nicht überall auf der Welt so.
Für Verwunderung haben wir beim Geldabheben gesorgt. Dort stand ein Sicherheitsmitarbeiter, der wunderte sich, warum man zum Geld abheben das Auto verlassen muss. Die Amerikaner benutzen an Banken das Drive Inn.
Alles in allen kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat, wortbrüchig zu werden und in Houston meinen allerletzten Marathon zu laufen. You’re wellcome.

Frank Jungblut